Zurück zum Ratgeber
Planung31. Juli 20267 Min.

Photovoltaik fürs Mehrfamilienhaus: ZEV, vZEV & Abrechnung

Eine Photovoltaikanlage lohnt sich nicht nur fürs Einfamilienhaus – gerade im Mehrfamilienhaus (MFH) steckt viel Potenzial. Die grosse Frage lautet: Wie kommt der Solarstrom vom gemeinsamen Dach fair und wirtschaftlich zu den einzelnen Wohnungen? Die Antwort führt über den Eigenverbrauch mehrerer Parteien, ein durchdachtes Messkonzept und die passende Rechtsform.

Warum Photovoltaik im Mehrfamilienhaus anders ist

Im MFH teilen sich mehrere Parteien ein Dach, aber jede Wohnung hat ihren eigenen Verbrauch. Wird der Solarstrom einfach ins Netz eingespeist, verschenken Sie den grössten Hebel: den Eigenverbrauch. Denn selbst genutzter Solarstrom ist in der Regel mehr wert als eingespeister Überschuss. Ziel ist deshalb, möglichst viel Produktion direkt im Haus zu verbrauchen – auf mehrere Parteien verteilt.

Der zweite Unterschied ist organisatorisch: Es braucht eine faire Aufteilung, transparente Abrechnung und eine klare Vereinbarung zwischen Eigentümerschaft, Verwaltung und Bewohnern.

Eigenverbrauch für mehrere Parteien: ZEV und vZEV

Für die gemeinsame Nutzung gibt es heute mehrere Modelle:

  • ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch): Mehrere Verbraucher hinter einem gemeinsamen Netzanschluss nutzen den Solarstrom gemeinsam. Gegenüber dem Netzbetreiber tritt die Liegenschaft als ein Kunde auf, die interne Verteilung regelt der ZEV selbst.
  • vZEV (virtueller ZEV): Mit dem seit dem 1.1.2025 geltenden Stromgesetz (Mantelerlass) wurde der virtuelle Zusammenschluss möglich. Beim vZEV lassen sich die vorhandenen Anschlussleitungen und Zähler am Netzanschlusspunkt für den gemeinsamen Eigenverbrauch nutzen, sodass auch mehrere Gebäude teilnehmen können – ohne dass ein separates internes Netz oder eigene Zähler nötig sind.
  • LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft): Ein weitergehendes Modell, das den Stromaustausch zwischen mehreren Teilnehmern im selben lokalen Netzgebiet erlaubt. Anders als bei ZEV und vZEV gilt für den innerhalb der LEG geteilten Strom ein reduziertes Netznutzungsentgelt; die LEG steht seit 2026 zur Verfügung.

Welches Modell passt, hängt von Gebäude, Zählerstruktur und Zielen ab. Eine Einordnung finden Sie im Ratgeber ZEV: Zusammenschluss zum Eigenverbrauch.

Messkonzept und Abrechnung

Damit jede Partei fair zahlt, braucht es ein sauberes Messkonzept: Ein Hauptzähler erfasst die Produktion und den Bezug der Liegenschaft, Unterzähler messen den Verbrauch jeder Wohnung. Daraus wird ermittelt, wer wie viel Solar- und Netzstrom bezogen hat.

Die Abrechnung übernimmt idealerweise eine automatisierte Lösung – etwa auf Basis von smart-me. So entstehen transparente Abrechnungen pro Partei, ohne dass die Verwaltung manuell rechnen muss. Wichtig ist, dass der interne Solartarif fair kalkuliert ist: attraktiv für die Bewohner und zugleich wirtschaftlich für die Eigentümerschaft.

Tipp: Klären Sie das Messkonzept und die Zählerinfrastruktur früh – Nachrüstungen im laufenden Betrieb sind aufwendiger als eine saubere Planung von Beginn an.

Ablauf: von der Idee zur Abrechnung

  1. Potenzial prüfen: Dachfläche, Ausrichtung, Verschattung und Anzahl Parteien bestimmen den möglichen Ertrag und Eigenverbrauch.
  2. Modell wählen: ZEV, vZEV oder LEG – abhängig von Zählerstruktur, Netzsituation und Zielen.
  3. Technische Planung: Auslegung und Elektroinstallation nach den geltenden Schweizer Normen (u. a. NIN); Installationsarbeiten führt eine nach NIV Art. 14 bewilligte Fachperson aus.
  4. Förderung sichern: Anmeldung der Einmalvergütung bei Pronovo. Details im Ratgeber PV-Förderung in der Schweiz.
  5. Messkonzept aufsetzen: Zähler und Abrechnungssystem installieren.
  6. Betrieb & Abrechnung: Laufende, automatisierte Abrechnung pro Partei.

Worauf Eigentümer und Verwaltungen achten sollten

  • Verbrauchsprofil: Je gleichmässiger und höher der Tagesverbrauch im Haus, desto höher die Eigenverbrauchsquote – und desto besser die Wirtschaftlichkeit.
  • Vereinbarungen: Rollen, Tarif und Kündigung sollten schriftlich geregelt sein, besonders bei Mieterwechseln.
  • Skaleneffekt: Grössere Anlagen sind pro kWp meist günstiger – siehe Photovoltaik-Kosten Schweiz.
  • Verwaltungsaufwand: Eine automatisierte Abrechnung entlastet die Verwaltung dauerhaft.
  • Zukunft: Wärmepumpe und Ladeinfrastruktur erhöhen den Eigenverbrauch zusätzlich.

Die konkreten Ansätze für Tarife, Förderbeiträge und Renditen variieren je nach Liegenschaft und Kanton. Verlässliche Zahlen liefert erst eine individuelle Berechnung.

Fazit

Photovoltaik im Mehrfamilienhaus ist wirtschaftlich attraktiv, wenn Eigenverbrauch, Rechtsform und Abrechnung zusammenpassen. ZEV und vZEV machen den gemeinsam genutzten Solarstrom zum Vorteil für alle Parteien – vorausgesetzt, Messkonzept und Vereinbarungen sind von Beginn an sauber aufgesetzt.

Ob sich Ihre Liegenschaft eignet, hängt von Dach, Parteien und Verbrauchsprofil ab. enerGIS3D plant Anlage, Messkonzept und Abrechnung aus einer Hand – mehr dazu unter ZEV & Energiemanagement.

👉 Kostenlose Richtofferte berechnen – Adresse eingeben und Potenzial für Ihr Dach abschätzen. Für eine persönliche Einschätzung vereinbaren Sie gern eine kostenlose Erstberatung.

Fragen zu Ihrem PV-Projekt?

Kostenlose Erstberatung